In Ordnung leben «wie du und ich»

Leben mit Einschränkungen bedeutet im Discherheim: Wohnen in vertrauter Umgebung, seiner Arbeit nachgehen, sich mit Freunden austauschen, in die Ferien verreisen, Feste feiern  so wie wir das alle gerne tun. Verlässlichkeit, Ordnung und Strukturen sorgen dabei massgeblich für hohe Lebensqualität und unterstützen so das persönliche Wohlbefinden von Mitarbeitenden und Bewohnern.

Discherheim

Jeder Mensch eine Persönlichkeit. Im Discherheim wird individueller Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen viel wertschätzender Raum und Zeit geschenkt und somit ein Rahmen geschaffen, der Freiheit und persönliche Entfaltung ermöglicht. Und auch wenn nicht immer alles einfach und rosig ist, fühlen sich Bewohner und Mitarbeitende gleichermassen aufgehoben. Auch Silke Waser, Leiterin der Wäscherei, hat im Discherheim ihr zweites Zuhause gefunden und erzählt leidenschaftlich, warum Quatsch machen und strukturierte Ordnung sich nicht ausschliessen müssen.

Silke Waser Discherheim


MAKK: Sie bieten im Discherheim Ihren Klientinnen und Klienten einen Rahmen, der ihr Wohlbefinden sichert. Was heisst das speziell für Sie und Ihre Abteilung und wie macht sich das bemerkbar?

Silke Waser: Das Wohlbefinden unserer Klienten steht immer an erster Stelle für uns alle. Bei uns in der Wäscherei/Lingerie sind alle Klienten bekannt, sie kennen uns, besuchen uns auch oft oder bringen ihre neuen Kleider (in Begleitung von Bezugspersonen) zum «Nämelen» oder Flicken. Einige Klienten haben auch den Job, uns täglich die Wäsche der Wohngruppe zu bringen. Diese Aufgabe schätzen sie sehr und wir nehmen uns dann auch gern die Zeit für einen kurzen Schwatz mit ihnen. Wohlbefinden heisst für mich auch, dass man in einem geordneten Rahmen seine Leidenschaften leben kann. Für mich als Teamleiterin bedeutet das, die Liebe zum Lachen und zu den Menschen auch zeigen zu dürfen. Sich die Freiheit und Zeit zu nehmen für einen spontanen Quatsch oder eine lustige Unterhaltung. Dann lachen wir gemeinsam und die Welt sieht gleich für jeden einzelnen ein bisschen farbiger aus.

Ordnung und ein strukturierter Alltag sind ein wichtiger Teil Ihrer Philosophie. Das gilt im Discherheim für Wohnen wie auch für Arbeiten. Wie sieht eine klassische Alltagsgestaltung für Ihre Klientinnen und Klienten aus und gibt es unterschiedliche Gestaltungsansätze?

Ein strukturierter, ordentlicher Alltag ist enorm wichtig, für unsere Klienten wie auch das ganze Team. Mit ganz klaren Strukturen in Arbeitsabläufen schafft man die notwendige Konstanz und Verlässlichkeit und somit einen gemeinsamen Orientierungswert, welcher überhaupt erst das Grundverständnis von Zusammenarbeit ermöglicht. Da habe ich einen sehr hohen Anspruch und bin auch pingelig. Obschon meine Forderungen resolut sind, bin ich stehts offen für Verbesserungen. Diese müssen immer den hohen Anspruch an Ordnung, Hygiene, Sicherheit und Orientierung erfüllen und dabei den Bedürfnissen und Möglichkeiten jeder einzelnen Person entsprechen. Nicht immer einfach, aber sehr nachhaltig, zumindest was die Arbeit in der Wäscherei betrifft.
So sehen beispielsweise die Tagesabläufe für jeden Klienten etwas anders aus. Wir bieten verschiedene Tagesprogramme, je nach Alter, Fähigkeit, Grad der Beeinträchtigung, Wünschen und Anforderungen. Zum Beispiel Nähen, Weben, Arbeiten mit Ton und Holz, Papier, Filz und mehr. Auch können sich einige Klienten in unseren Aussen- oder Waldgruppen beschäftigen.

Sie haben ein engagiertes Team, an welches fachlich wie menschlich hohe Anforderungen gestellt werden. Was sind die grössten Herausforderungen für Sie und Ihre Mitarbeitenden im Umfeld des Discherheims?

Ja, ich habe ein sehr gutes Team an meiner Seite. Wir arbeiten alle schon mehrere Jahre zusammen. Die grösste Herausforderung ist und bleibt das Einhalten der Hygienevorschriften und der strikten Arbeitsabläufe. Darauf lege ich sehr grossen Wert und bin auch permanent dabei notwendige Anpassungen vorzunehmen. Immer in kleinen aber umso konsequenteren Schritten, gut verdaulich für alle Beteiligten. Es ist beispielsweise wichtig, dass wir einen ordentlichen, aufgeräumten und praktisch eingeräumten Wäschewagen auf die Gruppen abliefern. Da wird jedes Wäschestück immer gleich zusammengelegt und sortiert. Und wenn nicht, dann wird es nochmals gemacht, bis es stimmt. So können wir unsere verschiedenen Arbeitsplätze flexibel und effektiv nutzen, was bei Teilzeitstellen wichtig ist, und die Klienten haben eine klare Orientierung, wie ihre Wäsche daherkommt. Verlässlichkeit ist folglich ein wichtiger gemeinsamer Nenner. Auch an uns als Menschen stellen wir Ansprüche. Empathie für unsere Klienten, Hilfsbereitschaft, Loyalität und Teamgeist finde ich wichtig. Nicht jeder ist dafür geschaffen, in einem solchen Umfeld zu arbeiten. Dafür braucht es in sich gefestigte Persönlichkeiten mit viel Herz.

Discherheim Wäscherei


Ebenso hohe Qualitätsansprüche stellen Sie auch an die Infrastruktur im Discherheim. MAKK durfte Ihnen viele Hilfsmittel im Bereich Wäsche sammeln, sortieren, kommissionieren und rückverteilen liefern. Welche Kriterien müssen Arbeitsmittel für Sie erfüllen?

Für unseren körperlich anstrengenden Job brauchen wir natürlich qualitativ hochwertige Produkte und Hilfsmittel, welche uns die Arbeit erleichtern. Zweckmässigkeit, Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit sind für uns sehr wichtig. Da haben wir mit der Firma MAKK einen starken Partner an unserer Seite. Spezielle Fussmatten, Wäschewagen und -sammler, höhenverstellbare Tische usw. ermöglichen uns rücken- und gelenkschonendes Arbeiten. Zudem garantieren uns die hochwertigen Produkte einen langfristigen Einsatz und Abstimmung im ganzen Wäscheprozess. Ergänzt mit farblichen Details oder Beschriftungsmöglichkeiten haben wir so ein in sich stimmiges Ganzes, in welchem sich jeder zurechtfinden kann. Wir haben schon einen Grossteil der Wäscherei entsprechend umgestellt und aufgerüstet und werden nun Schritt für Schritt Ergänzungen vornehmen. Alles zusammen umzustellen, wäre für Klienten und Mitarbeitende schwierig und das Chaos vorprogrammiert. Bei acht Wohngruppen kann man sich das bildlich vorstellen. Folglich stellen wir die Gruppen etappenweise auf die neuen Abläufe um und schonen damit unsere Nerven (lacht).

Discherheim Wäschelogistik

Jeder Mensch hat eine Beeinträchtigung, sichtbar oder unsichtbar. Verraten Sie uns Ihre.

Ich trage Brille oder Kontaktlinsen, also bin ich sehbehindert.
Manchmal habe ich auch «voll einen an der Klatsche» wie man so schön sagt – zumindest behaupten das die Leute, die mich gut kennen. Was das genau bedeutet, werde ich an dieser Stelle aber nicht im Detail ausführen (lacht).

Das Discherheim versteht sich als «offenes Haus». Wie würden Sie einen Tag der offenen Tür bei sich zu Hause feiern?

Tag der offenen Tür bei mir? Den hab ich immer! Dafür bin ich bekannt und bei vielen auch geschätzt. Kaffee, Tee, was zum Knabbern, eine Kerze, die immer brennt, ein offenes Ohr für alles und jeden, Zeit für gute Gespräche oder unterhaltsame Spiele-Abende mit Freunden und Familie. Ich liebe es ausserdem spontan zu verreisen, am liebsten Städtereisen mit meiner Tochter. Viel Programm, Eindrücke und fremde Sprachen geniesse ich. Was gibt es Schöneres! Das Leben hat mich gelehrt, die schönen Dinge zu erkennen und einfach zu geniessen. Meine Lebensphilosophie ist folglich auch dementsprechend: Mein Glas ist immer halbvoll – und nicht halbleer. Das passende Motto dazu: «Wenn du lachst, stirbt irgendwo ein Problem».

Wie sind Sie ins Discherheim gekommen?

Ich bin nun schon seit bald zehn Jahren im Discherheim  auch als Mensch angekommen  und hoffe, dass ich hier auch pensioniert werde. Eigentlich habe ich Kauffrau gelernt. Aber stur im Büro zu sitzen war nichts für mich. Ich brauche Menschen um mich herum, organisiere gern und brauche Herausforderungen. So hab ich im Leben schon vieles gemacht und kam zufällig nach meiner Scheidung ins Discherheim. Als Alleinerziehende mit drei Kindern war das genial für mich, obschon zu Beginn auch recht schwierig, da ich zuvor noch nie mit stark beeinträchtigten Menschen gearbeitet hatte und mich ihr Schicksal emotional sehr bewegt hat. Mein damaliger Chef hat mich dann einmal zur Seite genommen und wir haben gemeinsam die lustigen, lachenden und zufriedenen Menschen bei uns im Discherheim beobachtet. Er hat mir gezeigt, dass es eine Frage der Perspektive ist und Glück immer nur individuell seine absolute Berechtigung hat. Mit seiner Frage «Wer ist eigentlich gesünder?» hat er ins Schwarze getroffen.

 

Kontakt:

Discherheim
Wohnen und Arbeiten Solothurn
Dürrbachstrasse 34
4500 Solothurn
Tel: 032 624 50 33
www.discherheim.ch


Blog verfasst von Tina Cecconi-Cavka, 28.11.2018
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Topics: Wäschelogistik, Wäschesammler, Hygiene in der Wäschelogistik, Transportwagen, Anti-Ermüdungsmatte, Alles in Ordnung