Herrscher über 110'000 Volt 

Hochspannung nicht nur in den Leitungen sondern auch bei der Arbeit mit den 110‘000 Volt-Anlagen. Denn wird irgendwo in der Nähe von Hochspannungsnetzen gearbeitet, müssen die Mitarbeitenden der St.Galler Stadtwerke (sgsw) dies aus Sicherheitsgründen vorzeitig abschalten. Ein Wettlauf mit der Zeit. 

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An der Oberfläche ist nicht zu erahnen, was hier weit unten unter dem Kybunpark St.Gallen für Kräfte schlummern. Noch ein paar Stufen und dann stehen wir vor einer Schaltanlage in einem von fünf Unterwerken der Stadt St.Gallen. Oder wie es Roman Brunschwiler, Sicherheitsbeauftragter (SiBe) der St.Galler Stadtwerke, gerne sagt: «Ein grosser Lichtschalter».

Was das genau ist, lassen wir uns vom Ressorteiter Betrieb Instandhaltung (NET-BI) Rudolf Reinhard erklären. «Wir stehen hier vor einer gasisolierten Schaltanlage für 110‘000 Volt – also Hochspannung. Von hier aus wird das Netz durch Transformatoren über die Mittelspannung (10‘000 Volt) und weiter bis zur Niederspannung (230/400 Volt) transformiert, welches schliesslich die einzelnen Objekte versorgt.»

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«Mit neuer Technik wird der Platzbedarf kleiner»

Der Platzbedarf, den gasisolierte Schaltanlagen heute benötigen, ist verhältnismässig klein, denn die stromführenden Leiter werden mit Gas (Schwefelhexafluorid SF6) isoliert. «Bei einer luftisolierten Anlage bräuchten wir etwa 6 - 7 Mal mehr Platz, weil der Abstand zwischen den Leitern ca. 1.60 m betragen sollte», erklärt Rudolf Reinhard. Dank der Gasisolierung können die Leiter in der Schaltanlage mit einem Abstand von je 12 cm geführt werden.

Wird an Leitungen oder an der Schaltanlage gearbeitet, muss eine Abschaltung durchgeführt werden. Im Zuge dieser Abschaltung wird eine sogenannte «Sicherung gegen Wiedereinschaltung (GWS)» vor Ort getätigt. Dazu muss auf die Schaltanlage gestiegen werden. «Oftmals geschieht dies unter Zeitdruck und dann muss es ganz schnell gehen», sagt Rudolf Reinhard. Der Schalter für die Sicherung befindet sich rund drei Meter über dem Boden auf der Schaltanlage. Wer hier herunterfällt, gefährdet nicht nur sich selbst sondern auch das Leben anderer Mitarbeitenden.

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«Es geht um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden»

Um den Schalter zu erreichen, können für diese Arbeit ausgebildete Mitarbeitende der sgsw heute die stabilen und sicheren Arbeitsplattformen der MAKK AG benutzen. Das bestehende Podest genügte den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr und zeigte bei der Benutzung etliche Gefahren auf. «Oft sind Mitarbeitende auch mit Arbeitsmitteln unterwegs und es ist deshalb unablässig, dass Sie hier eine stabile und sichere Aufstiegsmöglichkeit haben.» Die neue massgeschneiderte Arbeitsplattform ist anhand der Risikobeurteilung die perfekte Lösung dafür. Denn jeder Arbeitsschritt bzw. Aufstiegstritt muss sitzen.

Und auch der Sicherheitsbeauftragte Roman Brunschwiler ergänzt, «Mit dieser Wahl werden die Unfallrisiken auf ein Minimum reduziert. Wir legen Wert auf Qualität – auch wenn damit nicht immer das günstigste Produkt zum Einsatz kommt. Es geht schliesslich um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden. Und Sicherheit ist nicht verhandelbar.»

Mehr Stabilität auf der Arbeitsplattform

Abgesehen von den Normen für Arbeitsplattformen mussten die sgsw hier keine weiteren sicherheitsrelevanten Aspekte berücksichtigen. Da die Schaltanlage berührungssicher ist, fallen Gefahren wie Elektrizität weg. Einzig der Handlauf musste demontierbar sein. «Wenn wir eine Inspektion haben, muss ich die Arbeitsplattform aus dem Raum schieben können. Das ist nur möglich, wenn die Handläufe abnehmbar sind. Zudem kann es vorkommen, dass wir die Schaltanlage von einem anderen Ort besteigen müssen. Auch dann sollten wir nicht durch falsche Handläufe an den Arbeitsplattformen bei unserer Arbeit behindert werden», so Rudolf Reinhard.

«Jetzt haben wir einen kompetenten Partner zur Seite»IMG_3153_750.jpg

Die Sicherheit ist beiden Herren ein wichtiges Anliegen. Rudolf Reinhard sagt: «Die Arbeitsprozesse sind heute viel schneller und komplexer. Mitarbeitende müssen heute flexibel und sich ihrer Rolle in der Umsetzung der verlangten Tätigkeit bewusst sein. Darum steht die Sicherheit an oberster Stelle».

«Mit der Sicherheitskultur konnten schrittweise nebst der Prozessoptimierung auch die Arbeitsunfälle der sgsw gesenkt werden. Und nicht zu Letzt zahlen wir seit einigen Jahren immer tiefere Prämien bei der SUVA. Mitarbeitende der sgsw sollen nach der Arbeit wieder gesund nach Hause fahren und den Feierabend geniessen können», so Roman Brunschwiler.

In den Sicherheitszielen für 2018 wurde unter anderem von der Geschäftsleitung der sgsw festgehalten, dass das Thema Leitern und Tritte gesamtheitlich überprüft werden muss. Seit wir das Thema Arbeitsplattformen mit MAKK AG umgesetzt haben, kennen wir einen kompetenten Partner in Sachen sichere Steigtechnik. Diese Kompetenz und das Potential wollen wir nutzen», sagt Roman Brunschwiler.

Leiterseminar im ZS-Ausbildungszentrum Sempach


Zu den Personen

Roman Brunschwiler

Roman Brunschwiler ist SiBe der sgsw. Neben Elektrizität gehören auch andere besondere Gefahren wie Erdgas, Wasser und Wärme in sein Aufgabenbereich. Er vermittelt sein umfangreiches Fachwissen bezüglich Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz (AS&GS) zwischen den unterschiedlichsten Anspruchsgruppen und hat nach wie vor grossen Spass mit dieser Materie.

Rudolf Reinhard

Der Ressortleiter Betrieb Instandhaltung Bereich Netz Elektrizität und Telecom Rudolf Reinhard arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren bei den sgsw. Er kennt dieses Handwerk bestens und sein enormes Fachwissen wird allseits sehr geschätzt.

Die St. Galler Stadtwerke

Die St. Galler Stadtwerke versorgen die städtische Bevölkerung und Wirtschaft mit Elektrizität, Erdgas, Wärme und Wasser. Bei der Erdgasversorgung sind sie regional, von St.Gallen bis an den Bodensee, tätig. Zudem erstellen und betreiben sie das städtische Glasfasernetz. Weitere umfassende und individuelle Dienstleistungen wie beispielsweise Beratungen zu Themen wie Energieeffizienz oder Mobilität ergänzen das Marktangebot. Die Stadtwerke sind ein unselbständiges öffentlich-rechtliches Unternehmen mit knapp 300 Mitarbeitenden und werden als Dienststelle der Direktion Technische Betriebe der Stadt St.Gallen geführt.


Blog verfasst von Albert Keel, 26.01.2018
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Topics: Podeste, Arbeitssicherheit, Sicherheit