Wo Lebensgeschichten Herz und Raum füllen

Mitten im Dorf, mitten im Leben liegt das Pflegezentrum Eulachtal in Elgg. Ein Haus voller Lebensgeschichten, welches sich neben mentaler Geschmeidigkeit ganz dem rastlosen, menschlichen Lernprozess verschrieben hat. Daran wachsen Bewohner und Betreuer gleichermassen – und immer auch ein Stückchen weiter zusammen.

Ursula Hollenstein bei der Arbeit im Pflegezentrum Eulachtal in Elgg

Ebenso individuell wie die Lebensgeschichten sind auch die Bedürfnisse und Situationen der pflegebedürftigen Bewohner. Dennoch oder gerade deshalb versteht sich das Pflegezentrum Eulachtal als «lernende Organisation». Das Thema ist schliesslich der Mensch, in seinem sozialen, emotionalen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kontext. Dies gilt für Betreuer gleichermassen wie für Bewohner. Zusammen unterstützen, leiden, lachen, reaktivieren und daran wachsen. Jeder ein kleines bisschen in seiner eigenen Lebensgeschichte, nicht immer nur nach vorne oder nach oben. Manchmal auch rückwärts. Leben und Sterben rücken dabei unweigerlich näher zusammen.

Allen Bedürfnissen und Lebenslagen dabei gerecht zu werden, ist nicht nur emotional und körperlich, sondern auch ressourcentechnisch eine Herausforderung für Betreuer und Organisation. Als Team zusammenwachsen, weiterkommen, um als Mensch und Organisation gleichermassen daran zu wachsen. Nicht nur ein Unternehmens-Ziel, vielmehr eine Philosophie.

Fröhliches Beisammensein im Rahmen der "Metzgete" im Pflegezentrum Eulachtal

Ursula Hollenstein, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, ist die reinste Personifizierung davon und lässt uns im Interview teilhaben an wachsenden Wäschebergen, Geschmeidigkeit im Alltag und verrät, was «Balu» der Bär mit ihr gemeinsam hat.

MAKK: Lebensgeschichten fordern ihren Platz. Im März 2019 kann ein umfangreicher Um- und Ausbau im Pflegezentrum Elgg abgeschlossen werden. Was sind die Herausforderungen für die Bewohner und Ihr Team in diesem Grossprojekt?

Ursula Hollenstein: Die grösste Belastung war in der akuten Bauphase der dominante Lärm und die teils sehr grosse Verschmutzung. Folglich auch die Sicherstellung von Hygiene-Ansprüchen im laufenden Betrieb und des Wohlbefindens der Bewohner in ihrem gewohnten Alltag. Dass dann aber nicht mehr alles wie gewohnt ablief, die zum Teil vorherrschende Hektik und Betriebsamkeit wie auch räumliche Umstellung, war schliesslich vor allem für die Mitarbeitenden ein Härtetest. Jeder Tag brachte Unvorhersehbares. Flexibilität, Geduld und Teamarbeit waren noch wichtiger als üblich. Wir mussten als Team umdenken, uns neu bilden und zusammenwachsen, um die erhöhte Leistung und Koordinationsarbeit bewältigen zu können. Dieser Prozess war sehr wertvoll und hält auch in Form von Prozessoptimierungen und ausgeprägter Team-Kommunikation weiterhin an. Ich sage auch weiterhin zu «meinen Frauen»: Prioritäten setzen und schön geschmeidig bleiben! (lacht) Zu unserer Überraschung hat die Lebendigkeit und Umstellung durch die Bautätigkeit den Bewohnern hingegen ausgesprochen gut gefallen. Da sind sie uns Mitarbeitenden in Anpassungsfähigkeit, Agilität und Gelassenheit weit voraus. Es war viel Action, viel Neues und Unterhaltung, was den Alltag der Bewohner auf eine ungewohnte und positive Weise belebt hat.

Wie gewährleistet man trotz Wachstum, den internen Zusammenhalt und die hohe Qualität in Pflege und Betreuung?


Da bin ich als Führungsperson gefordert und lebe diese Verantwortung auch aus persönlicher Überzeugung. Sicherheit bieten und Wertschätzung für jeden Einzelnen, das Team als Ganzes, wie auch teamübergreifend in der proaktiven Kooperation von Hauswirtschaft, Pflege und Direktion. Gesundes Wachstum sollte auch dazu führen, Prozesse und Gewohnheiten zu hinterfragen. Umstellung und Verhaltensänderungen nachhaltig zu erreichen, ist dann schliesslich die grösste Herausforderung und fordert viel Toleranz. Je mehr Menschen, desto mehr verschiedene Ansichten und Eigenheiten. Miteinander und nicht gegeneinander wird dann existentiell wichtig. Dies schafft man nur mit Verständnis, hartnäckiger Konsequenz – und natürlich Geschmeidigkeit (lacht).

Ihre Bewohner kommen für langfristige Aufenthalte, zur Rehabilitation oder Entlastung betreuender Angehöriger zu Ihnen. Sie erleben Familien-, Lebens- und Leidensgeschichten hautnah. Wie reaktiviert man immer wieder aufs Neue Hoffnung und Humor?

Für mich und auch den ganzen Betrieb steht immer der Mensch im Vordergrund. Mit seinen individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen, an einem spezifischen Punkt in seiner Lebensgeschichte. Und auch wenn Menschen gebrechlich, stiller und müde werden, so haben sie doch immer noch ihre Persönlichkeit. Zu spüren, wo und wie man sie an diesem Punkt in ihrem Leben abholen und unterstützen kann, ist nicht immer einfach. Und gerade deshalb, darf und soll miteinander gelacht und geweint werden. Ganz nach unserem Motto: Wir leben bis zuletzt.

Die Wäsche ist ein wichtiges Thema im Pflegezentrum Eulachtal

Wie kann man dem wirtschaftlichen Druck, dem hohen Anspruch an Gesundheit, Hygiene und Emotionen gleichermassen den nötigen Platz gewähren?

Es ist immer wieder eine Herausforderung, diese Aspekte alle unter einen Hut zu bringen. Die Sicherheits- und Hygiene-Vorschriften werden auf der einen Seite immer strenger. Mit der steigenden Mobilität und Globalisierung der Gesellschaft sind Infektionen ein häufiges und weitreichendes Problem geworden. Der Umgang damit erfordert viel Aufwand, Aufklärung und Schulung des Personals. Für uns bedeutet das konkret, eine strikte Trennung von Schmutz- und sauberer Wäsche und die stetige Kontrolle aller Abläufe im Wäschekreislauf. Je konsequenter und effizienter diese gestaltet sind, desto wirtschaftlicher für den Betrieb.
Gleichzeitig wandeln sich auch die Ansprüche und Gewohnheiten der Bewohner mit den Jahren und Generationen. Hat man früher den Sonntagsrock zum Auslüften ins Freie gehängt, wechselt man heute die Wäsche viel häufiger. Mit dem erhöhten Anspruch an ein gepflegtes Äusseres wachsen somit unweigerlich auch die Wäscheberge und die dazugehörige Infrastruktur.

In den letzten Jahren sind die Wäscheberge im Verhältnis zur Bewohnerzahl kontinuierlich gestiegen. 2014 waren es 53 Tonnen, 2018 67 Tonnen Wäsche. Wie muss eine Wäscherei organisiert sein, damit Flexibilität und Dynamik gewährleistet werden können?

Der Neubau unserer Wäscherei macht uns die Arbeit einiges leichter und angenehmer. Grund dafür ist die grosszügige, räumliche Übersicht wie auch die, mit den abgestimmten Produkten von MAKK, klar definierten Zonen und Abläufe. Das ermöglicht ein Maximum an Sicherheit und Effizienz, wie auch Ergonomie für die Mitarbeitenden. Zudem können Arbeitsplätze flexibler gestaltet werden. Bei Wäschebergen von mittlerweile 140 Bewohnern und neu auch Arbeitskleidung von zwei verschiedenen Spitex-Diensten sind wir auf diese Abstimmung von Prozessen und Produkten angewiesen. Mit der damit möglichen internen Verarbeitung der gesamten Wäsche von Pflegezentrum und Spitex, können wir zudem Zeit, Transport und Geld einsparen und gewinnen mehr Flexibilität. Und dennoch. Immer zum richtigen Zeitpunkt auch die richtige Wäsche auf die richtige Abteilung herauszugeben, muss schon gut organisiert sein. Dass da leider auch immer wieder nicht angeschriebene Kleider im Umlauf sind, kann man jedoch auch mit den besten Prozessen und Produkten von MAKK nicht ganz verhindern. (lacht)

H__nde

Ich habe Sie als gelassenen und fröhlichen Menschen kennengelernt. Was wäre Ihr tierisches Pendant?

Mein Mann sagt, ich bin wie ein Bär. Aber ein gemütlicher, wie «Balu der Bär» aus dem «Dschungelbuch», der singt auch «Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit...» (lacht). Leider klappt das nicht immer und so treibt mich auch oft die Umtriebigkeit eines Tigers an. In Kombination mit meinem Sternzeichen Fische, durchschwimme ich so ruhig und gleichzeitig zielstrebig die stärkste Strömung.

Ihr persönliches Lebensmotto?

«Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.» In einem Betrieb kann man das jedoch nicht alleine und ist neben der eigenen Bereitschaft und Offenheit auch auf die anderer angewiesen. Zusammenwachsen um zusammen zu wachsen, wäre folglich auch passend...


Ursula Hollenstein, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin Pflegezentrum EulachtalKontakt:
Pflegezentrum Eulachtal
Ursula Hollenstein, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin
Vordergasse 3
8353 Elgg
www.eulachtal.ch

Tel: 052 368 51 11
E-Mail: info@eulachtal.ch


Copyright Bilder: Pflegezentrum Eulachtal


Blog verfasst von Tina Cecconi-Cavka, 31.01.2019
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Topics: Wäschelogistik, Wäschesammler, Hygiene in der Wäschelogistik, Zusammen wachsen, Pflegezentrum