Schneller, weiter, höher. Oder die Vernachlässigung räumlicher Qualitäten.

Publiziert von Tina Cecconi-Cavka on 18.10.2018 11:35:28
Finde uns auf:

Für Anja Meyer und Nikolas Wälli vom Architektur-Atelier AMJGS beginnt Architektur dort, wo wir uns fragen, was uns umgibt. Und weil jeder Bau die Welt ein Stück verändert, verstehen sie interdisziplinäre Planung als Teil ihrer Verantwortung. Für „Schneller, weiter, höher“ haben Sie deshalb ihre ganz eigene Definition.

150727_stahlgiesserei_Halle1_bearb

MAKK: Was bedeutet für AMJGS Mehrwert in Architektur und Raumplanung?

AMJGS: Mehrwert entsteht oft dann, wenn die verschiedenen Ebenen, Partner und Grössenordnungen einer Planung gut zusammenkommen. Konkret heisst dies z. B., dass die halbprivaten und öffentlichen Räume zwischen den Bauten, die grenzüberschreitenden Räume, mit derselben Sorgfalt geplant werden, wie eine (private) Fassade. Auch wenn mehrere Partner vonnöten sind, die Nutzer sich einbringen können resp. müssen und die Finanzierbarkeit im herkömmlichen Sinn (das Abwälzen auf Käufer oder Mieter) nicht gegeben ist. Ebenso vonnöten ist Sorgfalt im Umgang mit der Planung von Möblierung und Ausstattung bis hin zur Signaletik: Ein stimmiges Gebäude umfasst den gut proportionierten Rohbau mit durchdachtem Ausbau. Mehrwert macht sich also bemerkbar, wenn interdisziplinär - über den Rand der eigenen Disziplin - und mit Einbezug der Nutzer geplant wird.
„Schneller, weiter, höher“ ist für uns erst einmal eine sehr menschliche und alte Forderung. Im Sinne des erfragten Mehrwertes, würden wir diesbezüglich gerne sagen: Innehalten, Hinterfragen, Einbeziehen.

Welchen Einfluss hat Ihre Arbeit auf das Wohlbefinden der Nutzer?

Den gebauten Raum müssen sich die Nutzer aneignen können. Dies tun wir, indem wir einerseits Aufenthaltsqualitäten schaffen, Orte, wo man sich zuhause fühlen, sich orientieren kann, die auch Wiedererkennung ermöglichen und anderseits genug Freiraum für die eigene Interpretation und Besitznahme lassen. Im Heilpädagogischen Zentrum Glarnerland beispielsweise (siehe Bild) wurde der Aufenthaltsbereich des Internats als „Dorfplatz“ gedacht. Der grosse, leere Platz ist Wegzentrum und Austrittsort ins Freie. Er kann über einen Vorhang zoniert oder mit verschiedenem flexiblem Mobiliar, wie verstellbaren Hockern nach Bedarf möbliert werden. So können die Kinder im leeren Raum turnen, sich im Kreis für eine Geschichten-Erzählstunde sammeln oder in Theaterbestuhlung am Beamer ein Fussballspiel anschauen.

 AMJGS bearb


Was verstehen Sie als Ihre Verantwortung als Architekt und Gestalter von Räumen?

Neben dem bereits erwähnten Dialog und Zusammenarbeiten mit anderen Disziplinen, gibt es den kulturellen Aspekt. Wir schätzen Baukultur über unser eigenes - zeitlich limitiertes - Schaffen hinaus. Wir bauen ortsspezifisch, bauen am Bestand weiter und wir sensibilisieren Bauherrschaften dafür.
Im Projekt für das Stahlgiesserei-Areal in Schaffhausen beispielsweise (siehe Visualisierung), wo Teile des unter Schutz stehenden Bestandes zugunsten der neuen Wohn- und Arbeitsnutzung weichen mussten, waren die Diskussionen mit der Denkmalpflege und der Gestaltungskommission Schlüssel für Lösungen, die gesellschaftlich breit abgestützt sind, weil sie einer breiten Gesellschaft zugutekommen. Der öffentlich zugängliche Stadtgarten verbindet die verschiedenen Nutzungen, bietet auf Fussgänger-Ebene Läden, Cafés und weitere Infrastrukturen – und erinnert an die Geschichte des Ortes.

Welches sind heute die Anforderungen an öffentliche Bauten seitens Behörden, Öffentlichkeit, Nutzer?

Den Mitsprachewillen der Bevölkerung sehen wir als Herausforderung und Chance. Früh im Prozess integriert kann Mitsprache helfen, geeignete Leitbilder für Areale oder ganze Gemeindegebiete zu erarbeiten, welche den weiteren Weg von einzelnen Projekten unterstützen. Ein hoher Kostendruck führt oft zum Gleichsetzen von architektonischer Qualität und tiefen Erstellungskosten – und damit zur Vernachlässigung von räumlichen Qualitäten. Gleichzeitig gehen damit wichtige Qualitäten wie Langlebigkeit und geringe Unterhaltskosten verloren.


_E6A9301_HPZ_bearb

Wie geht Ihr Unternehmen mit der Forderung „Schneller, weiter, höher“ um?

BIM (Building Information Modeling) führt in unserer Arbeit zu einer rationelleren Planung und beschleunigt den Prozess insgesamt. Entscheide werden früher gefällt. Umso wichtiger scheint uns der dem eigentlichen Planen, wie es heute verstanden wird, vorgelagerte Prozess. „Innehalten, Hinterfragen, Einbeziehen“ gilt jedoch nicht nur für Leitbilder und Wettbewerbsprogramme, sondern sollte im Rahmen der Gesamtplanung bis zur Realisation immer wieder ernst genommen werden.


Kontakt:

AMJGS Architektur AG
Räffelstrasse 25
8045 Zürich
info@amjgs.ch
Telefon +41 43 500 01 41


Bilder:
Stadtgarten, Stahlgiesserei Schaffhausen - Visualisierung: Dunedin Arts
Dorfplatz, Heilpädagogisches Zentrum Glarnerland, Oberurnen - Fotografie: Martin Stollenwerk

Topics: Schnellerweiterhöher, Garderobensysteme

Mehrwert-Tipps

Mit Ordnung mehr erreichen

Unsere Philosophie ist es, Produkte mit viel Liebe und Handarbeit herzustellen und zu vertreiben, die in einem umfassenden Sinne einfach gut sind. Produkte, die Stil haben. Die keinem Modetrend unterworfen und in ihrer Art zeitlos sind. 

Erfahren Sie in unserem Blog, wie Sie Ihren Arbeitsalltag optimal organisieren können, sicherer und effizienter machen. 

 

eNewsletter Anmeldung

Neuste Beiträge